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Neuere deutsche Literatur

25.11.2011, von Viktoria

In den folgenden fünf Werken der neueren deutschen Literatur geht es um die Erinnerung an die Kindheit. Aber um eine besondere Kindheit, nämlich die Kindheit im Zweiten Weltkrieg und im Nachkriegsdeutschland sowie den Einfluss, den der Krieg auf die Kindheit und das Erwachsenwerden von Menschen ausgeübt hat. Die Autoren gehen verschiedenen Fragen nach: Buch Wie wird Geschichte in der Literatur dargestellt? Welche Brüche zeigen sich? Wie funktioniert die individuelle Erinnerung?

Uwe Timm, Am Beispiel meines Bruders (2003).

Hans-Ulrich Treichel, Der Verlorene (1998).

Ruth Klüger, weiter leben (1992).

W.G. Sebald, Austerlitz (2001). Alexander Kluge, Chronik der Gefühle (2000). Was am Beispiel des Bruders (bei Uwe Timm) zur Debatte steht, ist nicht nur die eigene Familiengeschichte und ihr Verhältnis zur offiziellen Geschichtsschreibung und zum kollektiven Gedächtnis der Deutschen, sondern auch das Problem, die Lücken in der persönlichen Erinnerung mit verschiedenen Zeugnissen der deutschen Geschichte in einen narrativen Zusammenhang zu bringen. Austerlitz (bei W.G. Sebald) ist eine Erinnerungsgestalt. Er ist identisch mit dem Erzähler und er ist die Identität des Erzählers, eine mühevoll gesuchte, verschüttete, verdrängte Identität, eine aus der Geschichte ausgegrabene Identität, die Konstruktion einer fiktiven Identität, die sich mit historischem Material verifizieren lässt, aber trotzdem reine Fiktion bleibt. Somit ist der Roman ein einziges Zwiegespräch mit sich selbst. Mit Sicherheit eines der besten Bücher der letzten zehn Jahre. Ruth Klüger beschreibt in ihrem ergreifenden Buch weiter leben ihre Kindheit und Jugend in den 1930er Jahren in Wien, die zunehmende Ausgrenzung ihrer jüdischen Familie und die Odyssee durch verschiedene Lager bis zur geglückten Flucht kurz vor Kriegsende. In Der Verlorene (von Hans-Ulrich Treichel) wird die Geschichte der Suche einer Mutter nach ihrem Kind erzählt, das auf der Flucht aus den Ostgebieten verloren gegangen ist. Zugleich entwirft Treichel ein realistisches Bild der "Wirtschaftswunder"-Jahre und dem Umgang mit den Kriegsereignissen. Alexander Kluge zeichnet in seinem Erzählungsband Chronik der Gefühle Gegenwart und Vergangenheit des wiedervereinigten Deutschlands. Seine genauen Beobachtungen des Alltags gepaart mit einem Sinn für Humor machen seine Geschichten so unverwechselbar. Die vorgestellten Autoren gehören zu dem Besten, was die neuere deutsche Literatur in den letzten gut zehn Jahren hervorgebracht hat.

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